Raumforderungen der Nebenniere, die im Bereich des Nebennierenmarks entstehen und Katecholamine bilden, werden als Phäochromozytom bezeichnet. Katecholamine (Noradrenalin, Adrenalin) sind Hormone, die den Blutdruck regulieren und Reaktionen des sympathischen Nervensystems vermitteln. Ein Überschuss an Katecholaminen führt meistens zu einem erhöhten Blutdruck oder zu Blutdruckkrisen. Häufig treten bei einem Phäochromozytom auch Kopfschmerzen und vermehrtes Schwitzen auf. Weitere Symptome können z.B. ein beschleunigter Puls (Tachykardie), Gewichtsverlust und Sehstörungen sein.
Zwar sind derartige Tumore relativ selten Ursache eines Bluthochdrucks, doch sollte ein Phäochromozytom in bestimmten Situationen in Betracht gezogen werden: Bei ungewöhnlich früh auftretendem Blutdruck, schlecht eingestelltem Blutdruck trotz Einnahme von mehreren Antihypertensiva (Blutdrucksenkenden Medikamenten), bei bestimmten Begleitsymptomen wie blasses Gesicht bei hohem Blutdruck oder bei einer Raumforderung der Nebenniere. Gehäuft kommt das Phäochromozytom bei bestimmten familiären Erkrankungen wie der Multiplen Endokrinen Neoplasie Typ 2 (MEN-2) oder der Neurofibromatose Recklinghausen Typ I (NF-1) vor.
Zumeist liegen Phäochromozytome in einer der beiden Nebennieren, derartige Tumore können sich aber auch außerhalb der Nebennieren (extraadrenal) befinden. Die meisten Phäochromozytome sind gutartig, gelegentlich kann es aber zur Absiedelung von Tochtergeschwülsten (Metastasen) kommen. Katecholamin-bildende Tumoren des Nervengrenzstranggewebes werden als Paragangliome bezeichnet, auch sie können familiär gehäuft vorkommen. Die Diagnostik umfasst Laboruntersuchungen im Blut und Urin, gelegentlich sind spezielle Testverfahren wie der Clonidin-Hemmtest erforderlich. Wenn durch diese Untersuchungen die Diagnose eines Phäochromozytoms wahrscheinlich erscheint, kommen bildgebende Verfahren zum Einsatz, z.B. eine Ultraschalluntersuchung, ein CT oder ein MRT der Nebennieren oder auch szintigraphische Verfahren wie die MIBI-Szintigraphie.
Bei sicherem Nachweis eines Phäochromozytoms oder bei familiärer Häufung derartiger Tumore empfiehlt sich in der Regel die Durchführung einer genetischen Untersuchung. Die Therapie des Phäochromozytoms besteht in der operativen Entfernung, zuvor ist aber unbedingt eine medikamentöse Vorbehandlung erforderlich, da es ansonsten zu schwerwiegenden Problemen (z.B. Blutdruckkrisen) während der Operation kommen kann.